Jagdtrieb im Griff – So geniesst du entspannte Spaziergänge mit deinem Hund

Die Blätter färben sich bunt, die Luft wird kühler, und die Jagdsaison beginnt. Für Hundebesitzer bedeutet das eine besondere Herausforderung: Die Kombination aus Wildtieren in Bewegung und der natürlichen Jagdmotivation deines Hundes kann schnell zum Problem werden. Hast du auch einen Hund, der plötzlich die Nase in den Wind hält, Spuren verfolgt oder sogar lossprintet, sobald er einen Hasen oder ein Reh erspäht? Keine Sorge – du bist nicht allein! In diesem Blog erfährst du, wie du das Jagdverhalten deines Hundes erkennst, kontrollierst und mit praktischen Tipps sicher durch die Jagdsaison kommst.

Warum jagen Hunde überhaupt?

Jagdverhalten ist tief im Instinkt unserer Hunde verankert, selbst wenn sie längst nicht mehr auf die Jagd angewiesen sind, um zu überleben. Auch Nicht-Jagdhunderassen zeigen diesen Drang, denn das Jagen macht schlichtweg Spass und ist enorm belohnend. Schon das Verfolgen einer Fährte oder das blosse Hinterherrennen löst im Hund Glücksgefühle aus – er bekommt seinen „Kick“.

Besonders junge Hunde zwischen 6 und 12 Monaten sind anfällig dafür, da sie in dieser Phase viel Neues ausprobieren und Erfolge in solchen Jagdsequenzen schnell verankert werden. Auch Hunde, die Langeweile oder fehlende Auslastung erleben, entwickeln leichter Jagdverhalten.

So erkennst du, dass dein Hund „auf Jagd“ ist

Viele denken bei Jagdverhalten an das Hinterherhetzen von Wildtieren – aber es beginnt schon viel früher! Achte auf diese Anzeichen:

    Orten: Dein Hund bleibt plötzlich stehen, die Nase hoch in der Luft.

    Fixieren: Er starrt konzentriert auf ein Ziel.

    Anschleichen: Dein Hund bewegt sich langsam und geduckt.

    Hetzen: Er rennt los, ohne auf dich zu achten.

Schon beim Fixieren solltest du eingreifen, denn je weiter der Hund in der Jagdsequenz fortschreitet, desto schwieriger wird es, ihn zu stoppen. Wenn er erst einmal losgerannt ist, hilft meist nur noch die Schleppleine oder eine sehr gute Rückruf-Übung.

Gefahren durch Jagdverhalten: Wild, Verkehr und Umwelt schützen

Ein jagender Hund bringt nicht nur Wildtiere in Gefahr, sondern auch sich selbst. Bei der Jagd wird oft alles um ihn herum ausgeblendet – inklusive Strassen, Zäunen und Bahnschienen. Selbst wenn er das Wildtier nicht erreicht, kann der Stress für Reh oder Hase lebensbedrohlich sein, insbesondere im Winter. Zusätzlich begegnen dir auf Spaziergängen Menschen, die Angst vor freilaufenden Hunden haben, oder andere Hundebesitzer, deren Tiere an der Leine sind. Rücksicht und Verantwortung sind also gefragt – sowohl für deinen Hund als auch für die Umwelt.

Management in der Jagdsaison: Schleppleine und Sichtbarkeit

Gerade im Herbst, wenn die Jagdsaison läuft, solltest du vorsichtig sein. Jeder Kanton hat eigene Regelungen und jagdliche Aktivitäten variieren von Region zu Region. Achte deshalb auf lokale Schilder und halte deinen Hund in betroffenen Gebieten an der Leine.

Ein Geschirr und eine Schleppleine sind in dieser Zeit unverzichtbar. Die Schleppleine gibt deinem Hund Bewegungsfreiheit, während du die Kontrolle behältst. Dazu kommt: Gerade in der Dämmerung sorgen reflektierende Halsbänder, Leinen und Leuchtwesten für mehr Sicherheit – für euch beide.

Unerwünschtes Jagdverhalten verhindern – So geht’s!

Am besten wäre es, wenn Jagdverhalten gar nicht erst entsteht. Doch keine Sorge, auch wenn dein Hund schon „auf den Geschmack“ gekommen ist, gibt es Lösungen. Hier sind die besten Tipps, wie du das Verhalten kontrollierst und Alternativen bietest.

1. Rückruf-Training – Dein wichtigster Trumpf

Ein zuverlässiger Rückruf ist essenziell, damit dein Hund auch bei Ablenkung zu dir kommt. Verwende ein klares Signalwort, zum Beispiel „Hier!“. Belohne deinen Hund IMMER, wenn er kommt – auch wenn er sich Zeit gelassen hat.

Tipp: Übe zunächst in ablenkungsarmer Umgebung, z. B. zu Hause oder im Garten. Steigere dann allmählich die Ablenkung, bis du auch draussen in spannenden Situationen trainieren kannst.

2. Orientierung am Menschen – So bleibt dein Hund bei dir

Fördere die Bindung und Orientierung deines Hundes an dir durch einfache Übungen:

Laufe spontan Richtungswechsel und belohne, wenn dein Hund dir folgt.

Übe „Handfolge“: Halte ein Leckerchen in der Hand und lass ihn folgen – das trainiert lockeres Laufen an der Leine.

Je stärker sich dein Hund auf dich konzentriert, desto weniger wird er auf Jagdreize reagieren.

3. Ersatzjagd anbieten: Beschäftigung statt Frust

Jagdmotivation kannst du nicht einfach abstellen – aber du kannst sie in kontrollierte Bahnen lenken. Hier sind Alternativen:

Apportiertraining: Fördert den Beutetrieb und schafft gemeinsame Erfolgserlebnisse.

Fährtenarbeit: Dein Hund kann seine Nase einsetzen, ohne dass Wild in Gefahr ist.

Mantrailing: Ideal für Hunde mit ausgeprägtem Jagdtrieb – hier darf er Spuren verfolgen und bekommt am Ende eine Belohnung.

Schleppleine als Trainingshilfe

Die Schleppleine ist ein hervorragendes Werkzeug, um deinem Hund mehr Freiheit zu geben, ohne dass du die Kontrolle verlierst. Setze sie richtig ein, damit sie zum Erfolg führt:

Verwende ein gut sitzendes Geschirr, damit dein Hund nicht am Halsband zieht.

Achte auf eine angemessene Länge der Schleppleine (z. B. 3-5 Meter).

Lass die Leine locker über den Boden schleifen, damit dein Hund sich frei fühlt, aber greife schnell ein, wenn er fixiert oder losrennen will.

Was tun, wenn die Jagd bereits gestartet ist?

Hat dein Hund schon einen Jagderfolg gehabt oder zeigt er sehr starkes Jagdverhalten? Dann wird es schwieriger, aber nicht unmöglich, das Verhalten zu kontrollieren. Hier einige Tipps:

Frust vermeiden: Lass ihn nicht immer wieder scheitern, indem du ihn nur einschränkst. Biete regelmässige Beschäftigung an, damit er ausgelastet ist.

Vertrauen aufbauen: Lass ihn wissen, dass er mit dir zusammen aufregende Dinge erleben kann – so bleibt er eher bei dir.

 Management beibehalten: Manche Hunde brauchen dauerhaft Management in Form von Schleppleine und Absicherung. Das ist völlig in Ordnung – Sicherheit geht vor.

Rücksicht nehmen: Wildtiere und andere Menschen schützen

Vergiss nicht: Ein freilaufender, jagender Hund bedeutet Stress für Wildtiere und kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Auch Mitmenschen werden oft durch unkontrollierte Hunde verunsichert. Deshalb gilt: Safety first – Schleppleine dran, Geschirr an, und Rücksicht auf die Umwelt nehmen. Dein Hund ist auch an der Leine glücklich, solange du ihm genügend Beschäftigung und Zuwendung bietest.

Fazit: Gemeinsam durch den Herbst – sicher und entspannt

Mit dem richtigen Training, Management und Alternativen kannst du und dein Hund auch in der Jagdsaison entspannt unterwegs sein. Verstehe das Jagdverhalten deines Hundes, lenke es rechtzeitig um und biete ihm spannende Ersatzbeschäftigungen. Und wenn der Rückruf mal nicht sofort klappt: Kein Stress, bleib dran!

Denk immer daran: Dein Hund ist am glücklichsten, wenn er sich an dir orientiert und ihr als Team unterwegs seid – egal, ob im Wald, auf der Wiese oder in der Stadt.

Safety first gilt dabei für alle: Mensch, Hund und Wildtiere. In diesem Sinne – geniesst den farbenfrohen Herbst und bleibt gut sichtbar draussen unterwegs!

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